Der Deutschen gedenken die Deutschen gewöhnlich zuletzt, entweder aus Bescheidenheit, oder weil man das Beste für das Ende aufspart. Noch sind wir ein Wort, doch reifen schon zur Tat." Aus Zitaten der Romantik bis heute (Hölderlin, Hegel, Kleist, Fichte, Heidegger, Briefe der RAF u.a.) braut die Autorin ein "deutsches Lied zusammen, das schwindelig machen kann, weil es so bekannt klingt. "Deutschland - das Wolken(kuckucks)-Heim der Dichter und Denker: In Jelineks Prosagedicht wird dieses Zuhause noch einmal besichtigt. Auf jeder Seite begegnet man (Märchen-) Motiven, Sätzen, Wörtern, Versen aus deutscher Dichtung und Vaterlandsträumerei. Raffiniert hat Elfriede Jelinek daraus einen Monolog der Deutschen komponiert... Wer sich von dieser Prosahymne berauschen läßt, ihre grimmige Boshaftigkeit genießt, ihren parodistischen Hohn auskostet, kann ins Staunen geraten. Denn Elfriede Jelinek führt vor, daß der vaterländische Gesang heute noch möglich ist - als Abgesang." (Reinhold Schmücker im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt)
Elfriede Jelinek, geboren 1946 in Mürzzuschlag/Steiermark, lebt heute in Wien.
Ursendung: 23.09.1992
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