Zehn Jahre ist es her, dass Gert Onken das Finanzamt anzündete und danach spurlos verschwand. Zurück blieben Menschen, die ihn schätzten und sich lange vergeblich fragten, was Onken zu seiner Tat veranlasst haben könnte. Jetzt, nachdem die Straftat verjährt ist, taucht Onken wieder auf und muss sich den Fragen alter Wegbegleiter stellen. Leicht ist es für den Eigenbrötler Onken nicht, an dem anzuknüpfen, was einmal war, denn nicht nur die Menschen haben sich verändert, auch dem Dorf steht ein tiefgreifender Wandel bevor...
Jochen Schimmang, geboren 1948, ist Schriftsteller, Hörspielautor und Übersetzer. Er lebte lange in Köln und Paris, seit 2005 wohnt er in Oldenburg. 1979 debütierte er mit dem Roman "Der schöne Vogel Phönix". "Biller von tohus" (2004) war sein erstes Hörspiel für Radio Bremen. Dafür wurde er 2005 mit dem Zonser Hörspielpreis ausgezeichnet.
hoerspielTIPPs.net:«Heimweh oder Uns Dörp schall schöner warrn von Jochen Schimmang ist ein Nachfolgehörspiel zu "Een Füerpüster" aus dem Jahr 2009 und spielt zehn Jahre nach dem Untertauchen von Gert Onken. Nun, da die Straftat verjährt ist, kehrt er zurück, um das Erbe seiner verstorbenen Mutter zu regeln. Doch will er wirklich nur das? Onken bleibt ein rätselhafter Charakter, den weder seine Mitmenschen noch der Hörer einfach entschlüsseln können. Das Dorf, das er einst verlassen musste, hat sich in den zehn Jahren verändert: Viele haben sich neu orientiert, der Dorfkrug ist geschlossen, und es gibt Gerüchte, dass ein Sternerestaurant und ein Wellnesshotel entstehen sollen. Ein Gemeinderatsmitglied treibt diese Pläne voran und hat sogar das Haus von Onkens Mutter aufgekauft. Doch im Dorf herrscht Skepsis.
Das Hörspiel erzählt diese Facetten, enthält sich aber – ganz wie sein Protagonist – eines abschließenden Urteils. So wie Onken, nimmt man die Gegenwart wahr, ohne alle Anfänge zu kennen oder das Ende der Entwicklung absehen zu können. Der Hörer bleibt, ähnlich wie nach "Een Füerpüster", mit einigen Fragezeichen zurück. Vielleicht gibt es in fünfzehn Jahren mit Teil 3 mehr Antworten?
Als Mundarthörspiel ist das Stück konsequent, denn die plattdeutsche Sprache verleiht ihm die Bodenständigkeit, die es braucht. Ein kleiner Nachteil ist jedoch, dass das Ensemble, obwohl gut und eingespielt, immer dasselbe bleibt. Etwas frischer Wind würde dem Ganzen ab und zu guttun.
Insgesamt ist es ein interessantes Hörspiel, das aufgrund des recht offenen Plots jedoch nicht alle Hörer zufriedenstellen wird. Es erfüllt aber zumindest nicht das Klischee vom lustigen Mundartschwank, sondern bietet vielmehr eine gewisse Tiefe und lässt Raum für Interpretation. Wer auf klare Lösungen und abgeschlossene Handlungen setzt, könnte enttäuscht sein. Wer jedoch die Ambivalenz und die atmosphärische Dichte schätzt, wird hier auf seine Kosten kommen.»
Vorstellung im OhrCast
Ursendung: 21.11.2025
Als Download / Im Handel verfügbar seit / ab: 23.11.2025
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