Im Kinderkurheim Johannaberg bei Detmold mussten Verschickungskinder Heimweh, Angst und Gewalt erleben. Jahrzehnte später macht sich eine Gruppe von Zeitzeug*innen auf die Reise. Am Ort des Geschehens verarbeiten sie ihre Erinnerungen zu Szenen.
In der Nachkriegszeit wurden Millionen Kinder zu sechswöchigen Kuren verschickt, um sich zu erholen. Doch viele erlebten Heimweh, Angst und Gewalt. So auch im DRK-Kinderkurheim Johannaberg bei Detmold am Rande des Teutoburger Waldes.
Jahrzehnte später steigt eine Gruppe von Zeitzeug*innen abermals in den Zug und macht sich auf die Reise. Eine Woche ziehen sie in das mittlerweile leerstehende und verfallene Gebäude. Am Ort des Geschehens verarbeiten sie ihre Kindheitserinnerungen zu Szenen – und erwecken das Heim wieder zum Leben. Das Feature basiert auf Silas Degens gleichnamigen Dokumentarfilm, der während seines Studiums an der Filmuniversität Babelsberg entstand.
Silas Degen wuchs in Bad Salzdetfurth unweit eines mittlerweile abgerissenen Kinderkurheimes auf und begann zu recherchieren, als er vom Leid der Kinder erfuhr. Sein Weg begann beim Hörfunk mit der Realisierung von Hörspielen und Features, bevor ihn das Studium des Drehbuchschreibens an die Filmuniversität Babelsberg zog. Seine Kunstprojekte spielen mit der Grenze zwischen Realität und Fiktion.
hoerspielTIPPs.net:«„Heimgesucht – Rückkehr ins Kinderkurheim Johannaberg“ von Silas Degen ist kein klassisches Hörspiel, sondern ein Feature – und genau das ist seine Stärke. Degen, der mit seinen historischen Arbeiten bereits bewiesen hat, dass er Geschichten packend erzählen kann, wählt hier ein Thema, das sich perfekt für die dokumentarische Form eignet: die Aufarbeitung der dunklen Erfahrungen in Kinderheimen durch die Rückkehr der einstigen Insassen an den Ort ihrer Prägung. Diese Idee ist nicht nur bedrückend, sondern auch vielfältig und tiefgründig. Statt eine fiktive Handlung zu erfinden, setzt Degen auf die authentischen Stimmen und Erinnerungen der Betroffenen – und schafft so ein Hörstück, das unter die Haut geht.
Die Umsetzung ist behutsam und respektvoll, ohne ins Voyeuristische abzurutschen. Die Rückkehr der nun erwachsenen Menschen an den Ort ihrer Kindheit wirft nicht nur Fragen über das System auf, das sie einst durchlitten, sondern auch über die Spuren, die solche Erfahrungen in einem Leben hinterlassen. Die Atmosphäre ist dicht, die Interviews und O-Töne sind so gewählt, dass sie die Zuhörer direkt in die emotionale Welt der Protagonisten ziehen. Es ist kein Hörstück, das mit spektakulären Wendungen oder dramatischen Effekten arbeitet – stattdessen besticht es durch seine Ehrlichkeit und seine Fähigkeit, eine vergessene Geschichte sichtbar zu machen.
„Heimgesucht“ ist ein Hörstück, das sich einprägt, weil es nicht nur informiert, sondern berührt. Wer sich für Zeitgeschichte, soziale Themen oder einfach für gute dokumentarische Erzählweisen interessiert, sollte unbedingt reinhören. Ein Stück, das zeigt, wie mächtig das Medium Hörspiel – oder in diesem Fall das Feature – sein kann, wenn es um die Aufarbeitung realer Schicksale geht.»
Vorstellung im OhrCast
Ursendung: 11.11.2025
Als Download / Im Handel verfügbar seit / ab: 11.11.2025
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