Der Notruf kommt um null Uhr dreißig: Frau Maerkle, Chefin eines Supermarktes, ist erstochen worden. Oberkommissar Sommerfeld, der sofort die Ermittlungen aufnimmt, hat es mit einer Vielzahl von Verdächtigen zu tun. Da ist einmal der Ehemann, der jetzt eine hohe Lebensversicherung ausbezahlt bekommt. Da sind die Einzelhändler ringsum, die Besitzer sogenannter Tante-Emma-Läden, die viele Kunden an den Supermarkt verloren haben und nun vor dem Ruin stehen. Und da ist schließlich der Arbeiter Möller, der die Ermordete als letzter leend gesehen hat ... Autor Molsner, der nach den beiden Kriminalromanen "Und dann hab ich geschossen" und "Harakiri einer Führungskraft" die Hörspiele "Gold unterm Sakko", "Wie eine reißende Bestie" und "Ein bißchen Spaß" (beide WDR) schrieb, zu seinem neuen Stück: "Alle sind verdächtig" – dieses Motto herkömmlicher Kriminalgeschichten ist in einem viel tieferen Sinne wahr, als die meisten ahnen. In meinen Krimis versuche ich deshalb zu zeigen, daß ein Detektiv, der nichts weiter finden will als einen Täter, die wichtigste Frage unbeantwortet läßt. Die Frage nämlich, welche Voraussetzungen den Täter denn zum Täter gemacht haben. Als Gerichtsreporter habe ich gelernt, daß diese Voraussetzungen meist gesellschaftlicher Art sind. Bestimmte soziale Felder – Heime, Gettos, lieblose oder labile Familien – produzieren Versager aller Art und produzieren eben auch den Kriminellen, über den dann eine Gesellschaft herfällt, die über den Ursprung dieser sozialen Felder nicht diskutieren mag."
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Oberkommissar Sommerfeld
Ursendung: 10.03.1973
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